Medien, Migration und Zahlenzauber – Teil 1: Arabischer Frühling

Mit Zahlen wissen Überfremdungshysteriker besonders gut umzugehen – insbesondere, wie man sie gekonnt frisiert, übertreibt und effektvoll platziert. Im Zusammenhang mit Migration und Migrationshintergrund sind Vokabeln wie „Überschwemmung“, „Ansturm“, „Landnahme“ sehr beliebt. Und dies nicht nur bei den notorisch rechten Hosenpipiblogs, sondern auch und gern bei der mutmaßlich seriösen Presse. Der Grundton dabei selbstredend immer getränkt von Bedrohungs- und Untergangsmetaphorik – jenseits unserer Grenzen warten „Massen“ ungebildeter Semikrimineller darauf,  in unser beschauliches kleines Auenland einzudringen. (Allerdings: Innerhalb unserer Grenzen sind es schon Milliarden, und sie vermehren sich rasend schnell). Ein ähnlicher Popanz wurde auch um die Revolutionen des arabischen Frühlings aufgebaut.

Jep. Flüchtlinge. Milliarden von ihnen. Klar zu sehen. (Flickr/Matt/unchanged/CC BY-NC-SA 2.0)

Jep. Flüchtlinge. Milliarden von ihnen. Klar zu sehen. (Flickr/Matt/unchanged/CC BY-NC-SA 2.0)

Formell wünschte man den Revolutionären *dort* zwar gutes Gelingen, der grundsätzliche Tenor in der Medienmeinung war allerdings bestenfalls passiv,  zumeist skeptisch. Was die Flüchtlinge angeht, wurden bedrohliche Szenarien gemalt – Heerscharen von unzufriedenen, vermehrungswilligen muslimischen(!) Männern vermutete man jenseits des Mittelmeeres, die natürlich, wie sollte es auch anders sein, alle nach Deutschland wollen. wie sah es letztlich aus? Die taz hat sich der Sache mal angenommen und hat etwas über 60 Menschen feststellen können, die nach den Revolutionen nach Deutschland gekommen sind. 19 wurden umgehend abgeschoben – der Rest wird folgen, da bin ich ganz sicher.

In der Berichterstattung um die Revolution in Tunesien sind mir viele Berichte aufgefallen, in denen deutsche Journalisten auf tunesische Migranten auf Lampedusa getroffen sind, die gefragt haben: „Warum lassen uns Sarkozy und Merkel nicht in ihre Länder?“ Schon diese Frage kam mir reichlich eigenartig vor, irgendwie fake. Ganz so, als ob man Merkel noch (aus welchem Land sind die Journalisten gleich?) höflicherweise nachgeschoben hätte. Die Journalisten räumten zwar mit kaum verhohlener Unzufriedenheit ein, dass die überwiegende Mehrheit der Nordafrikaner Frankreich als Ziel nannten, insistierten aber auch gleichermaßen darauf dass Deutschland ein beliebtes Ziel sei, bzw., sein könnte. Die Frage, warum für Tunesier Deutschland kein attraktives Land ist – schon sprachlich liegt Frankreich näher, dort leben bereits nordafrikanische Communities, und man weiß garantiert in den Maghrebstaaten, dass Muslime in Frankreich ein gewisses Standing haben (soll nicht heissen, dass es in Fr keinen Rassismus gibt) – interessierte die meisten Journalisten allenfalls am Rande.

Irgendwoher muss die Angst ja kommen, gelegentlich muss man ihr halt ein Bisschen auf die Sprünge helfen. Von etwas mehr als 25.000 nordafrikanischen Flüchtlingen ging man bis vor kurzem auf Lampedusa aus. Selbst ließe man alle von ihnen nur in Berlin leben, würden sie als nicht mal 1 Prozent der Bevölkerung kaum auffallen. Abgesehen davon, sind es Menschen die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben um sich eine Perspektive zu schaffen, Menschen die alles andere als passiv und schicksalsgläubig sind. Um das mal im (leicht ekeligen) Wirtschaftsjargon zu formulieren: Noch höher motiviertere Menschen kann man nicht bekommen. Und jetzt, da die Bevölkerung Libyens möglicherweise die Hilfe der Europäer braucht, ist hier alles gründlich abgeriegelt und verrammelt und die Bevölkerungen verhetzt. Ich frage mich manchmal, *wollen* unsere Medien diesen so völlig destruktiven Effekt erzielen oder nehmen sie ihn nur in Kauf?

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7 Responses to Medien, Migration und Zahlenzauber – Teil 1: Arabischer Frühling

  1. kain says:

    „Die Afrikaner, die ich manchmal in Italien sehe“, führt der kongolesischen Diplomat fort, „verkaufen alles und jedes und prostituieren sich, sie sind der Abschaum Afrikas. Diese Leute, die als Krämer an den Stränden auftreten und in den Straßen der Städte herumlungern, sind in keiner Weise repräsentativ für die Afrikaner in Afrika, die für den Wiederaufbau und die Entwicklung ihrer Heimatländer kämpfen. Angesichts dieser Tatsache frage ich mich, warum Italien und andere europäischen Länder sowie die arabischen Staaten es zulassen und tolerieren, dass solche Personen sich auf ihrem nationalen Territorium aufhalten.“ schrieb der kongolesische UN Vertreter in einem Offenem Brief, der auf der italienischen Nachrichten-Websit veröffentlicht wurde.

  2. kain says:

    man weiß garantiert in den Maghrebstaaten, dass Muslime in Frankreich ein gewisses Standing haben (soll nicht heissen, dass es in Fr keinen Rassismus gibt)…Nur mal so…Rassismus gibt es auch sehr stark ausgeprägt in den Maghrebstaaten…und das Merkel diesen „arabischen Frühling“ finanziell mit deutschen Geldern untersützen will ist doch auch bekannt…und 25tausend Menschen ohne bleibe die auf einen schlag in Berlin festsäßen würden natürlich überhaupt kein chaos anrichten, die sind ja alle ganz nett…was da auf den „Flüchtlingsschiffen“ zum teil abgeht ist hier wohl auch gänzlich unbekannt?…da herrscht zum teil eine ziemlich negative Anarchie..

  3. kain says:

    wieso versuchen diese „flüchtlinge“ eigentlich nicht, dabei zuhelfen, ihr land aufzubauen?

  4. admin says:

    Schön, dass sich jemand wie Du so an meinem Blog reibt, wenn ich auch die Flut an Kommentaren nicht unbedingt bereichernd finde. Der Rassismus in den Maghreb-Staaten ist bekannt, tut allerdings herzlich wenig zur Sache. Ist allenfalls ein Reminder wie sehr sich die Auswirkungen übersteigerten Nationalismus – hier wie dort – auswirken. Eine 3,4 Millionen-Stadt wie Berlin könnte noch ganz andere Integrationsleistungen vollbringen, wenn sie es wollte – ließe man die Menschen hier arbeiten und eben normal leben. Gäbe es Vertrauen in Menschen. Nur wird die Politik hier eben von dem Übermaß an „Kains“ diktiert, das wir numal hierzulande haben. Wir haben vor allem und jedem Angst – Dein Satz „die sind ja alle ganz nett“ weist die Richtung. Folge ist die Unterbringung und Entwürdigung von Flüchtlingen in den deutschen Lagern. Deine letzte Frage finde ich besonders anmaßend. Warum sind die Ostdeutschen nach der Wende millionenfach in den Westen gegangen? Warum die Russlanddeutschen aus Russland abgehauen? Wir haben ein kurzes Leben und das möchten wir nicht im Elend verbringen. Ich finde dieser Wunsch gehört auch von einem satten Deutschen gewürdigt der sich vor echter Armut nicht fürchten muss.

    • kain says:

      Passt es dir nicht dass sich jmd an deinem blog reibt?schade dass du das zitat erstmal komplett übergangen bist:(Aber gut dass du dich an meiner letzten Frage schön aufreibst:)und du meinst wenn wir allen menschen die herkommen,dass heißt wenn das möglich wäre, ein super tolles leben bieten einfach so,wie auch immer das gehen soll…., dann führt das wozu?Ich finde deine Wahrnehmung der in der Presse vertretenen Meinung krass, und dass es dich scheinbar nicht juckt das Merkel Gelder in den
      „Frühling“ schicken will…du pickst dir 2 dinge raus die du meinst wiederlegen zu können…?meint du mit Kain den biblischen oder mich?…und die Poltik wird einfach von Gewissenlosenidioten diktiert..Ziel:Machterhaltung…da kannst du mir erzählen was du willst…dass hat nichts mit ausgeprägte inhumanismus unter Politikern zutun…

  5. kain says:

    wäre dir geholfen wenn ich unter jeden deiner Beiträge schreib? gefällt mir.sehr gut gemacht.wieso kann ich das nicht.mehrvon deiner sorte sollte es geben.?…

  6. Hobo23 says:

    Ich finde es richtig die finanzeille und ideelle Unterstützung für den Arabischen Frühling zu würdigen. Es scheint mir allerdings nicht ausreichend, um unser aller Veratwortung gegenüber anderen Menschen gerecht zu werden. Um einem Menschen, der in einer existenziell bedrohlichen Lage ist, zu helfen, genügen nicht nur Gelder. Der Vergleich ist zwar nicht proportional, aber stell dir mal vor, was gewesen wäre, wenn den Juden aus dem nationalsozialistischen Deutschland nicht wenigstens zum Teil Asyl gewährt worden wäre… übrigens wohl der Hauptgrund für die rechtliche Verankerung von Asyl.
    Selbst wenn nicht davon auszugehen ist, dass all jene Flüchtlinge oder überhaupt irgendeine Gruppe von Menschen in der Welt sich lediglich aus höchst sympathischen und best qualifizierten Menschen zusammen setzt, ist das keine vernünftige Begründung dafür, die Schranken zu schließen. Vielmehr ist das ein Anreiz eine Asylregelung oder dauerhafte Integration möglichst so zu gestalten, dass es zu möglichst wenigen Schwierigkeiten kommt und die möglichen Probleme nicht zu unterschätzen, wie es allzu sehr passiert ist in der deutschen Integrationsgeschichte. Über die Art und Weise, wie das zu tun ist, muss man sich natürlich gut Gedanken machen….

    Ich finde es sehr spannend, dass hier so unterschiedliche Meinungen vertreten sind. wir wollen uns ja auch nicht auf die Schultern klopfen, sondern gemeinsam über etwas nachdenken und uns austauschen…..

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